Der Ursprung der Soziologie aus dem Geist der Restauration
Studien über L. G. A. de Bonald
Philosoph der Restauration und Vater der Soziologie; gläubiger Christ und Ahnherr eines atheistischen Positivismus – diese Ambivalenz kennzeichnet die entscheidende, aber wenig bekannte Rolle des Vicomte de Bonald in der Geschichte der Gesellschaftslehre. Der Begründer des 'Traditionalismus' strebte vor allem die Bewahrung der theologisch-metaphysischen Tradition an, was sich in seiner Sprachphilosophie sowie seiner Theorie der Souveränität und Legitimität widerspiegelt. Dennoch hob Bonald die alte Metaphysik radikaler auf als die atheistischen Materialisten des 18. Jahrhunderts, indem er Philosophie und Religion als Funktionen der Gesellschaft betrachtete. Diese Diskrepanz zwischen Absicht und Wirkung zeigt sich bei diesem oft als erzkonservativ wahrgenommenen Denker. So beriefen sich sowohl Lamennais, der mit der 'christlichen Demokratie' assoziiert wird, als auch Charles Maurras auf Bonald, der aus einer Verbindung von Positivismus und Katholizismus ein totalitäres System ableiten wollte. Charles Péguy erkannte schließlich, dass der moderne intellektuelle Konservatismus einen radikaleren Bruch mit der abendländischen Tradition darstellt als die Französische Revolution und deren geistige Wegbereiter. Ein Wortführer aus einer uns heute ferngerückten Zeit erweist sich durch all diese Tatsachen als überaus aktuell.










