Hans Christoph Buch ist ein Literaturtheoretiker, Essayist, Publizist und Erzähler, dessen Werk in die Tiefen der Literatur eintaucht. Seine weitreichende akademische Tätigkeit weltweit hat seine einzigartige Perspektive auf Literaturkritik und -schöpfung geprägt. Buchs Texte untersuchen die komplexen Beziehungen zwischen Sprache, Denken und Gesellschaft. Sein Schreiben zeichnet sich durch intellektuelle Tiefe und stilistische Präzision aus.
"Haiti Cherie" von Hans Christoph Buch ist in zwei Teile gegliedert und erzählt die Geschichte von Tante Erzulie, einer Ich-Erzählerin, die ihre Siege nicht im Krieg, sondern in der Liebe erringt. Sie kämpft für die Emanzipation ihrer Hautfarbe und verwandelt sich in verschiedene Figuren, darunter Marie Laveau und Josephine Baker, während sie historische Ereignisse beeinflusst.
Was bringt einen deutschen Schriftsteller dazu, seinen Schreibtisch zu verlassen und jahrelang die ungemütlichsten Regionen der Welt aufzusuchen? H. C. Buch hat kaum einen Schreckensort ausgelassen. Seine Reportagen handeln von Ost-Timor, Tschetschenien, Kambodscha, Algerien, dem Kosovo, dem Sudan, Ruanda, Sierra Leone und Haiti. Diese gefährlichsten Bruchstellen der Weltgesellschaft ziehen ihn an, und was er als Augenzeuge beschreibt, ist die finsterste Kehrseite der Globalisierung. Der Autor erinnert an die Opfer und Täter des Bürgerkriegs, richtet jedoch auch den Blick auf unsere Abgesandten, Helfer und Beobachter. So gewinnen seine Berichte eine Dimension der Selbstprüfung. Indem er vom Herz der Finsternis spricht, kommt Buch sich und uns näher als jeder Spendenaufruf und jede Fernsehreportage. Diese Reflexion rahmt seine zehn großen Erfahrungsberichte ein und wird in einem langen Essay durchbrochen. In vier Teilen spricht der Schriftsteller über die Grenzen von Journalismus und Literatur, die er fortwährend überschreitet. Dabei zeigt sich, wodurch er dem Korrespondenten der Medien überlegen ist: durch seine Fähigkeit zum Zweifel und sein kulturelles Gedächtnis. Kaum ein Reporter beruft sich auf so überraschende und illustre Kronzeugen wie H. C. Buch. In seinem Essay zeigt er, dass Lessing, Goethe, Kleist, Tolstoi, Orwell und Lu Xun mehr über Schlächter und Voyeure wussten als Tagesschau und CNN.
Hans Christoph Buch ist ein herausragender Erzähler, der sich mit Bedrohungen, Gewalt und Tod auseinandersetzt. Seine Werke, wie „Sansibar Blues“ und „Apokalypse Afrika“, thematisieren koloniale Vergangenheiten und ethnische Konflikte in Afrika. Dabei kombiniert er historische Berichte mit persönlichen Reiseerfahrungen und zeigt sowohl die düstere Realität als auch Hoffnungsmomente auf.
Robert Buch ist Senior Lecturer in German and European Studies an der University of New South Wales, Sydney. Robert Buch ist Senior Lecturer in German and European Studies an der University of New South Wales, Sydney.
Das Erdbeben vom 12. Januar 2010 hat allein in Port- au- Prince mehr Menschen getötet als die Tsunami- Katastrophe in Südasien 2006, und es hat Haitis Hauptstadt buchstäblich am Boden zerstört. Aber auch die staatliche Infrastruktur liegt in Trümmern: Als eigenverantwortlich handelndes Völkerrechtssubjekt hat Haiti schon vor dem Erdbeben zu existieren aufgehört und steht heute faktisch unter der Vormundschaft der UN. Dabei begann alles mit einer Erfolgsgeschichte, die ebenso spektakulär wie einzigartig war: Die Selbstbefreiung der Sklaven in Frankreichs reichster Kolonie Saint Domingue, ein gelungener Spartakus- Aufstand, der im Januar 1804 zur Gründung der Republik Haiti führte. Auf der Grundlage zahlreicher Primärquellen erweckt Hans Christoph Buch General Toussaint Louverture, den Wegbereiter der haitianischen Unabhängigkeit, zu neuem Leben, der Napoleon schon lange vor 1815 ein Waterloo zufügte. Und er geht der Frage nach, warum auf den heroischen Akt der Staatsgründung eine zweihundert Jahre dauernde Agonie folgte.
Mit »Baron Samstag« lädt Hans Christoph Buch zu einer fantasievollen Zeitreise ein, einer Expedition ins Ich, die den Erzähler an die Orte seiner in Südfrankreich verbrachten Jugend führt: ins Kloster La Sainte Baume, in dem er Französisch lernte, nach Marseille, wo sein Vater Generalkonsul war, und Sanary, wo der Erzähler den Spuren prominenter Exilschriftsteller nachgeht, darunter Brecht und Feuchtwanger, Thomas und Heinrich Mann. In Haiti erlebt er die Folgen der Erdbebenkatastrophe und damit den Untergang des Landes, so wie er es kannte. Angesichts des Verlusts von Vergangenem stellt sich Buch schließlich selbst dem Zerfall. Nach seinem Tod ist es seine Ex-Frau Judith, die an seiner statt nach Kolumbien reist und sich im Herzen der Finsternis auf Spurensuche begibt.